Tiny House – die Lösung des Wohnungsproblems?

Den Artikel haben wir bereits gestern vor diesem beschissenen Terror geschrieben und heute fertiggestellt.

Wir sind sprachlos, geschockt, verängstigt und verdammt wütend, werden aber trotzdem nicht eingeschränkter und vorsichtiger durch diese Welt gehen, als zuvor. Das wäre genau das, was bezweckt werden soll.

Eins noch: Wir bitten euch nach dem völlig sinnlosen und feigen Anschlag, die Flüchtlinge in Deutschland, um die es hier im Artikel geht, nicht in Generalverdacht zu nehmen.

Seid nett zueinander und habt ein schönes Restwochenende!

nous sommes paris

Zum Artikel:

Wir bekommen ständig eine ganze Reihe von Pressmitteilungen in unser Postfach. Die meisten dieser Mails werden direkt gelöscht, weil sie für uns uninteressant sind.

Doch ab und zu verirrt sich auch etwas Brauchbares in unseren virtuellen Postkasten.

…wir haben gestern eine Mail vom Museum für Angewandte Kunst Köln (MAKK) mit einer Presseankündigung bekommen. Es geht darin um eine Präsentation und Verkaufsausstellung, die im Rahmen der Cologne Fine Art 2015 in der koelnmesse stattfindet:

CUCULA – Refugees Company for Crafts and Design
Cologne Fine Art
koelnmesse
18. bis 22. November 2015
Eingangshalle Süd | Stand 003

Okay, soweit zu den Fakten.

Wer oder was ist Cucula und was hat das Ganze jetzt mit dem in der Überschrift genannten Tiny House zu tun?

Also, Cucula ist sowohl Verein als auch Designmanufaktur für und mit Flüchtlingen.

Als Modellprojekt möchte die Berliner Initiative Ausbildungsmöglichkeiten für Flüchtlinge schaffen. Dabei stehen die Selbstbaumöbel der Serie „Autoprogettazione” von Enzo Mari aus den 1970er-Jahren im Mittelpunkt.

Der Gute hat bereits 1974 ein Buch mit 19 Möbelentwürfen zum selber machen herausgegeben. Er ist so etwas wie der Godfather of upcycling, DIY, hartz 4 Möbel, Möbelbau nach Bedarf, Altholz- und Palettenbau und ein dufter Designer noch dazu.

…und dieser Enzo räumt nun dem CUCULA-Team die Rechte ein, seine Entwürfe zu nutzen, nachzubauen und weiter zu entwickeln.

Sehr coole Sache. Flüchtlinge bauen „Designermöbel“ nach ihren und Enzos Ideen.

Auf der Homepage von Culula werden die Motive des Projekts sehr treffend so beschrieben:

Ankommen, an der eigenen Zukunft bauen, Selbstwirksamkeit erleben, statt verwaltet und abgeschoben zu werden.

Noch mehr Infos über Produkte, das Konzept, Enzo und vieles mehr findet ihr auf Cucula.de oder natürlich live auf der oben erwähnten Cologne Fine Art.

So, und wie bekommen wir jetzt die Kurve zu der Überschrift mit dem Tiny House. Eigentlich ganz einfach.

Aktuell wird ja händeringend nach Wohnraum gesucht und wir haben uns hier schon mehrfach über das Thema ausgelassen, werden aber nicht müde unsere Gedanken dazu noch zig mal zu wiederholen. Auch in der sehr empfehlenswerten Facebook Gruppe „Tiny House Deutschland“ wird darüber diskutiert.

Schaut da mal vorbei, wenn ihr Tiny House Fans seid und mehr zum Thema erfahren möchtet, aber das nur nebenbei.

Zurück zu unseren Gedanken:

Warum lässt sich denn kein kleines Haus entwickeln, das in Teilen vorgefertigt wird, wie ein Fertighaus und dann vor Ort von den Refugees zusammengebaut wird? Dieses Tiny House sollte natürlich mobil sein, vielleicht nicht in der Form, wie bei den klassischen Tiny Houses mit einem Hänger als Unterbau, weil eventuell zu teuer.

Es würde ja schon reichen, wenn das Haus wie Container auf Lkws verladen werden könnte. Energieversorgung möglichst autark. Separate Dusch- und Waschräume. Ein Küchenhaus für eine bestimmte Anzahl von Menschen. Fertig wäre die „Laube“.

Wir haben doch so viele tolle Ministerien, vollgestopft mit noch tolleren und kompetenten Mitarbeitern. Warum bekommen die das dort nicht auf die Kette, mal ein ordentliches Konzept in diese Richtung zu erstellen?

Ist ja auch einfacher das Wohnungsproblem auf Städte und Gemeinden abzuwälzen und sich mit dem lapidaren Spruch „Wir schaffen das“ aus der Affäre zu ziehen.

Wahrscheinlich muss da erst eine private Firma oder ein Verein wie Cucula kommen und denen zeigen, wie so etwas funktioniert.

Cool wäre auch eine Gemeinde, die sich traut solch ein Projekt mal im Kleinen anzugehen. Sicher wäre jedenfalls, dass durch dieses Projekt die Gemeinde ruckzuck deutschlandweit bekannt wäre.

Platz für die Aufstellung findet sich doch immer irgendwo, oder? Und wenn die Häuser nicht mehr benötigt werden, ab auf den LKW und dahin wo sie gebraucht werden.

Studenten sind ja auch immer auf der Suche nach bezahlbarem Wohnraum, nicht wahr?

Nochmal zurück zum Aufbau und die Mithilfe der Flüchtlinge. Klar, da gibt es dann sofort Stimmen, die sagen, man kann doch die traumatisierten und durch die lange Reise erschöpften Flüchtlinge jetzt nicht ihre eigenen Häuser bauen lassen.

Doch, wir denken schon. Da stecken nämlich jede Menge Chancen für die Flüchlinge drin.

Wenn man sich tagsüber mit dem Aufbau seines zukünftigen Zuhauses beschäftigt, ist man von seinen Sorgen und Nöten ein Stück weit entfernt, hat eine Aufgabe, ist im besten Fall Stolz auf das Aufgebaute und hat vielleicht in der Gemeinschaft noch jede Menge Spass dabei.

Ausserdem lässt sich doch auf diese Weise „spielerisch“ die Sprache erlernen.

Wir erinnern auch nochmal an die Beschreibung der Motive von Cucula.de.

Ankommen, an der eigenen Zukunft bauen, Selbstwirksamkeit erleben, statt verwaltet und abgeschoben zu werden.

Das würde für solch ein Tiny House Projekt doch auch super passen.

An der Zukunft bauen, könnte so aussehen: Im Rahmen des Hausbaus in verschiedene Berufe „reinschnuppern“, die Auswahl ist riesig. Vom Schreiner über den Elektriker bis hin zum Spezialist für erneuerbare Energien. Die Häuslebauer müssen natürlich auch versorgt werden, also wären Köche/Köchinnen gefragt, Gärtner, die rund um die Häuser Gärten für das eigene Gemüse und Obst anlegen und bewirtschaften.

In der Firma / dem Betrieb / dem Verein wo die Bauteile für das Prefab House enstehen, gäbe es auch einige Sparten abzudecken. Logistik, Planung, technische Zeichnungen usw.

Einige Ansätze gibt es ja schon, wie zum Beispiel der „Beton Shelter“, den der Bonner Ingenieur Peter Görgen entwickelt hat und der in die gleiche Richtung wie unser Vorschlag geht.

Oder die Vorschläge von Studenten der Leibniz-Universität Hannover, die sich im Rahmen ihrer Masterarbeit Gedanken gemacht haben, wie man Flüchtlinge besser unterbringen kann.

Auch gut, die Vorschläge von Saarbrücker Architekturstudenten, von denen es ein Video in der ARD Mediathek gibt —>>> LINK

Wir finden ja nach wie vor das Modell dieser „Temporary Housing Units“ ganz super und würden uns freuen, wenn wir demnächst von einen tollen Refugee-Shelter Projekt hier in Deutschland berichten könnten.

refugee shelter

photocredit and Design: Michel Antoun Zateef

Was haltet ihr von unserem „Konzept“? Gebt uns Feedback. Würde uns echt freuen.

Peace!

2 Kommentare

  1. Malte Mayer

    Das sind alles sehr gute Ideen, nur leider ist es in der Umsetzung immer ganz anders. Ich bin zwar bei Gott kein Experte aber für mich sieht das ja so aus als wären die meisten Häuser doch relativ aufwendig aufzubauen, falls die Flüchtlinge garkeine Bauerfahrung haben. Hier ist das Problem, dass die Flüchtlinge sofort eine Bleibe brauchen und sich nicht erst 1 Woche ein haus bauen können und in der Zeit im Regen schlafen müssen.

    • Hey Malte, das Ganze sollte ja eher wie eine „Firma“ organisiert sein. D.h. nicht jeder baut unbedingt nur sein eigenes Haus, sondern jeder hat seine Aufgabe beim Hausbau, die Erfahrerenen bilden „Neuankömmlinge“ aus, so dass mit einem gewissen Vorlauf genügend Wohnraum zur Verfügung stehen könnte.

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