Das erste Freiheitsmobile-Treffen – ein paar Worte und Gedanken dazu

Wir passieren ein Grenzschild und sind mir nichts dir nichts in Luxemburg. Zum ersten Mal übrigens.

Mit unserem Kasten Martha geht es vorbei an zig großen Tankstellen. An dem riesigen Supermarkt legen wir einen Stop ein und stocken unsere Kaffee- und Alkoholvorräte auf. Das typische, was man halt so macht, als Luxemburg-Touri, nicht wahr?

Jaha, getankt haben wir dann auch noch. Was für ´ne Frage.

Nach diesen obligatorischen Haltepunkten, kommen wir Weiswampach und unserer eigentlichen „Mission“ Step by Step näher.

Wir verlassen die Hauptstraße, folgen den FM-Treffen-Schildern, biegen nach einem Kreisel scharf links ab und bremsen abrupt, als wir das riesige Blumenfeld rechts von uns entdecken. Schnell den Kasten links am Rand abstellen und ein paar Schnappschüsse machen. Muß sein.

Während wir uns gerade auf der Weiterfahrt fragen, ob dieses krassbunte Kornblumenfeld extra für das bevorstehende Wochenende angepflanzt wurde, sozusagen als Eyecatcher, Foto-Teststrecke und um uns in Flowerpower-Stimmung zu bringen, landen wir auch schon direkt vor einer rot-weißen Schranke.

Ein netter Mann begrüßt uns und gibt weitere Instruktionen. Wie sich später bei einem kleinen Schnack herausstellt, ist es Moglis Papa, der supersympathisch um die Ecke kommt und auch im späteren Gespräch mit seinem tollen Mindset überzeugt.

Die Schranke geht hoch und wir werden von einem „wild gestikulierenden“ :-) Patrick zu unserem Parkplatz fürs kommende Weekend gelotst.

Wir sollen auf die rechte Seite des Platzes hinter das Festzelt fahren. Da steht aktuell nur ein großes, 8 Meter langes Morelo Wohnmobil-Schiffchen. Zuerst sind wir skeptisch, ob der auch zum Freiheitsmobile-Treffen gehört oder nur zufällig da steht.

Eigentlich egal, wir haben ja keine Berührungsängste und stellen uns so neben die lange Karre, daß unsere Schiebetür direkt gegenüber der Eingangstür vom großen Womo liegt.

Wir haben es ja eben schon mal beiläufig erwähnt und klären jetzt mal alle, denen immer noch die Fragezeichen um die Köpfe eiern, auf:

Wir sind mit unserem Campervan auf dem ersten Freiheitsmobile-Treffen in Weiswampach in Luxemburg, veranstaltet und organisiert von Pataschas World aka Tascha und Patrick.

Dort treffen sich von Freitag bis Sonntag über 100 Freiheitsmobile, um gemeinsam eine gute Zeit zu haben.

Es gibt ganz kleine Mobile, wie die Schwalbe von Lino, aber auch ganz Große, wie von unseren Nachbarn und andere riesige Militärkisten mit ausgebauten Containern auf der Ladefläche.

Dazwischen die bei den „Vanlifern“ sehr beliebten Bullis, Dachzelte auf Kombis und Anhängern, jede Menge selbstausgebaute Autos und Kastenwagen und natürlich auch solche, wie unsere Kiste, Womos von der Stange eben, die in unserem Fall mit ein paar DIYs aufgepimpt wurden.

Aber egal ob sündhaft teurer Luxusliner oder Zweirad.

Eines stellen wir sehr schnell fest: Die Besitzer dieser Freiheitsmobile haben gemeinsame Vibes. Sie sind gerne unterwegs, manche als sog. digitale Nomaden sogar Fulltime, andere um ein bestimmtes Projekt zu verfolgen und wieder andere, um sich möglichst oft eine Alltags-Auszeit zu gönnen, so wie wir.

Alle sind furchtbar neugierig aufeinander und ruckzuck landen wir in netten Gesprächen mit einigen Freiheitsmobilisten und hören spannende Stories und Hintergründe.

Was auffällt: Es gibt keine Vorurteile und Berührungsängste. Jedenfalls nicht so, wie gedacht. Okay, ein Womo, weit jenseits der 100000 Euro Marke bietet dann schon mal Anlass für einen spitzen Kommentar und eine kleine Provokation, wie wir, weil direkte Nachbarn, mitbekommen durften. Da wird gestaunt, daß die Kiste an der Frontscheibe richtige Rollläden hat (obwohl dieser Bullifreund das bestimmt schon mal gesehen hat) und ganz cool vom Besitzer gekontert: „Ja, ist gut gegen die Sonne“.

Hier in Deutschland hat man dann halt doch immer noch so ein kleines Problem mit solchen Dingen. In den USA z. B. ist das sehr viel relaxter. Trifft ein Bullifahrer auf ein sündhaft teures Womo mit Slide-Outs und allem Pipapo, wird er dem Besitzer höchstwahrscheinlich mitteilen, daß er das Teil sehr cool findet und er sich freut, daß der Besitzer es geschafft hat, sich so etwas zu leisten. Völlig neidlos, ohne das der Bullimensch das jetzt auch möchte. Kurz gesagt „Leben und leben lassen“, ohne Neid und Missgunst.

Klar, A-löcher gibt es überall auf der Welt, aber denen kann man ja einfach aus dem Weg gehen.

Gut, nach dem kleinen Exkurs nochmal zu unseren „Problemchen“, die wir auf dem Treffen festgestellt haben: Wir sind nicht so die großen Netzwerker, tun uns manchmal recht schwer auf die Menschen zuzugehen, weil wir da einfach zu introvertiert und schüchtern sind. Okay, mag am fortgeschrittenen Endvierziger-Alter liegen, vielleicht aber auch daran daß es unser erstes Treffen dieser Art war. Wir arbeiten dran :-), können uns aber wahrscheinlich auch in Zukunft nur schwer vorstellen, irgendwo in eine gemütliche Runde zu platzen und mal eben rauszuhauen, daß wir die wohnblogger sind und seit 10 Jahren ein Blog rund um alternative Wohnkonzepte und DIYs schreiben.

Kurze Frage an euch Leser: Wie macht ihr das eigentlich so?

Wir netzwerken dann halt nach dem Treffen ein wenig in den „Socials“ herum, müssen uns aber auch nicht auf Teufel komm raus connecten, weil wir mit unserem Blog eh nur ein Taschengeld verdienen und nicht davon leben. Ja, wir arbeiten noch ganz “normal“, aber weitaus weniger als früher, haben unser kleines Häuschen und das rollende Haus bezahlt und entgegen den immer wiederkehrenden Anmerkungen, nix geerbt oder von den Eltern bekommen. Ganz im Gegenteil!

Vielleicht fragst du dich jetzt nach den obigen Ausführungen, warum wir dann auf solche Treffen gehen. Ganz einfach, um frisch im Kopf zu bleiben, über den Tellerrand zu schauen, andere Menschen mit anderen Lebensgeschichten und -Konzepten zu treffen, unseren Horizont zu erweitern und den Spirit und Mut einzufangen, um vielleicht auch noch das ein oder andere Projekt zu realisieren, das in unseren Köpfen schwirrt, um eventuell in ferner Zukunft online ein paar Taler mehr zu generieren.

Jedenfalls ziehen wir den Hut vor den Vollzeit-Nomaden, die komplett in der digitalen Welt ihre Brötchen verdienen und so leben, wie sie leben. Ist oftmals, nee wahrscheinlich immer, schwerer, als der „normale Job“ als Angestellter.

Gerade in letzter Zeit stört uns aber trotzdem die Tatsache, daß dieses digitale Nomadenleben, als der heilige Gral der Arbeitswelt dargestellt wird und sich vor allem ganz junge Menschen davon oftmals blenden lassen. Schöne Vanlifebilder suggerieren ein geiles Leben, einfach in den Camper ziehen, bißchen youtuben und bloggen und schon passt es. Nee, so ist es leider meistens nicht. Da ploppen dann in der Realität so doofe Geschichten wie Steuern, Krankenversicherung, Rente und Altersarmut (über die man logischerweise mit 25 nicht so wirklich nachdenkt) etc. auf.

…auch wenn wir mit Affiliate-Links ein wenig Geld verdienen und auch als Gastblogger Geld für unsere Artikel bekommen, sehen wir darin noch kein, die nächsten Jahre funktionierendes Businessmodell.

Wenn jemand ein Spitzen-Fotograf ist, ein WordPress-Genie, ein SEO-Held oder sonstwas super beherrscht, womit man auch unterwegs Kohle verdienen kann, ist das eine gute Grundlage, um zu starten und sich selbständig zu machen oder als Freelancer zu arbeiten. Aber alles auf die Affiliate Karte zu setzen, ist vielleicht nicht so clever.

Sei kreativ, verbiege dich nicht, versuche nicht jemanden zu imitieren und einem aktuellen Trend hinterher zu rennen, sondern mach dein eigenes Ding, schau was du gut drauf hast und baue das aus. Der x-te Vlog über einen Womo-Ausbau wird wahrscheinlich nicht mehr die Massen erreichen.
Manchmal ist es auch besser, nicht einer der Goldgräber zu sein, sondern lieber denen die Schaufeln zu verkaufen, you know?

Oh, Entschuldigung. Irgendwie sind wir jetzt schon wieder vom eigentlichen Thema FM-Treffen abgekommen.

Damit das hier nicht ins Uferlose abtriftet und wir durch unsere Ausführungen noch mehr Anlass zum Meckern geben, ziehen wir mal schnell ein kleines Fazit:

1. Luxemburg ist toll, überschaubar und landschaftlich super attraktiv. Wir wären mit Sicherheit die nächsten 3 Jahre nicht dort gelandet, wenn die Pataschas nicht in ihre Heimat eingeladen hätten.
2. Gerade die Mischung aus kleinen und großen, teuren und günstigeren Freiheitsmobilen und den dazugehörigen Besitzern, haben dieses Treffen so interessant, spannend und einmalig gemacht.
3. Uns hätten ein paar Programmpunkte mehr ganz gut gefallen, wir sind uns aber bewußt, daß das nur mit einem höheren finanziellen und organisatorischem Background realisierbar ist.
4. Vielleicht könnte man beim nächsten FM-Treffen die Theke ein bißchen mehr ins Geschehen rücken und wenn es irgendwie geht, alle Mobile auf einen Platz stellen, wild mixen und nicht zwei „Lager“ bilden.

Wir wissen, daß das in der Realität nicht alles so easy machbar ist, aber das sind die Dinge, die uns am Wochenende aufgefallen sind.

Auf jeden Fall ein dickes Dankeschön an Pataschas World für das schöne weekend, die investierte Zeit in Planung, Aufbau, Orga, Abbau, etc pp. und die Möglichkeit in eine ganz neue World schnuppern zu können.
Das Treffen ist eine gute Plattform, um mit Menschen in Kontakt zu kommen, die man so auf einem Stellplatz nie kennengelernt hätte, wie z. B. die netten Nachbarn mit dem Luxusliner, aber auch die coole ältere Lady, weit über die 60, die sich einen Dacia Doccer zum Freiheitsmobil ausgebaut hat und in jungen Jahren mit ihrem Mann im Käfer gewohnt hat.

Genau diese Mischung hat es für uns so dufte werden lassen.

Ja, dann bis nächstes Jahr.

Villmools Merci sagen die wohnblogger Sig und Sven

5 Kommentare

  1. Hallo liebe Wohnlogger!

    Vielen Dank für eure Worte und Gedanken über das 1. FM-Treffen. Es freut uns immer sehr, wenn die Leute uns Feedback geben, damit wir auch wissen, was wir nächsten Jahr besser oder anders machen sollen :)

    Ja, das mit dem Luxusliner hat bei vielen Aufsehen erregt. Wir haben uns damals aber sehr über die Anfrage von dem netten Pärchen gefreut. Für die einen ist eben ein VW Bulli ein Freiheitsmobil, für andere ein Morelo!

    Aber genau das wollten wir mit dem Freiheitsmobile-Treffen erreichen…dass JEDER kommen darf! Genau so freuten wir uns tierisch über den Besuch von Lino mit seiner Schwalbe.

    Das Problem mit den „2 Lagern“ haben wir bemerkt und wir wurden nicht nur von euch darauf hingewiesen. Hier besteht also Verbesserungsbedarf und wir arbeiten jetzt schon an einer Lösung für nächstes Jahr :P Wir möchten auf jeden Fall versuchen das Festzelt als zentrale Anlaufstelle für die Teilnehmer zu nutzen.

    Wie gesagt, das 1. Treffen war ein Test. Deshalb haben wir das Programm auch ziemlich klein gehalten… Nun wissen wir was auf uns zukommt und können uns ein cooles, abwechslungsreiches Programm für nächstes Jahr ausdenken.

    Vielen, vielen Dank dass ihr dabei wart! Es hat uns sehr gefreut :)

    Tascha & Patrick aka Patascha

    • sig und sven

      Hej Tascha, hi Patrick.
      Wir haben zu danken, für das tolle Wochenende und die vielen Eindrücke und natürlich für das „Näherbringen“ eurer Heimat. Ein wirklich tolles Land.
      Wir wollten auch gar nicht meckern oder besserwisserisch daherkommen, sondern haben einfach mal unsere Eindrücke und Feststellungen des Wochenendes niedergeschrieben.
      Ihr habt das toll gemacht. Wir würden es uns definitiv nicht zutrauen, so etwas auszurichten. Da sind doch verdammt viele Stolpersteine und Unvorhersehbares zu bewältigen.

      Rock on, Bis nächstes Jahr.

  2. Hallo ihr zwei,
    leider haben wir es nicht geschafft uns zu treffen, aber die Möglichkeit bleibt uns ja erhalten. Nach unserer Reise mit dem Wohnmobil nach Südschweden haben wir es am Sonntag doch noch zum Treffen geschafft, leider waren die Kinder müde und recht schnell am Ende und ein großer Teil der Besucher bereits abgereist.
    Ich hatte allerdings ein ähnliches „Gefühl“ wie Du, manche Community-Mitglieder sind sehr offen und stehen bereitwillig Rede und Antwort oder freuen sich, wenn man ihren Van, Bus, WOMO oder Schwalbe bewundert, andere scheinen sehr selbstgefällig und genervt von den Normalos, die sich einen Eindruck vom Vanlife holen möchten.
    Trotzdem habe ich es genossen, am Sonntag noch einmal kurz dort vorbei zuschauen und mir ein paar Eindrücke und Ideen mit auf den Weg zu nehmen, auch wenn ein Vanlife für meine Frau und mich, mit drei Kindern und zwei Katzen derzeit nicht zur Debatte steht. Wir belassen es dann doch lieber bei regelmäßigen, ausgedehnten Ausflügen mit dem (hoffentlich bald eignen) Camper.

    • sig und sven

      Hej Ingo, das wird bestimmt noch was, mit unserem Treffen. Sehe und sah das ganz genauso, wie von dir beschrieben. Wir wollen ja auch keine „Dauercamper“ werden und geniessen einfach die freie Zeit mit dem flexiblen Gefährt. Das Thema Vanlife, die Menschen dahinter und warum Camping jetzt „hip“ ist, ist für uns einfach sehr spannend. Jeder hat da so sein ganz eigenes Lebenskonzept und das passt auch prima zu dem Blog-Oberthema „alternative Wohnkonzepte“.Bis spätestens nächstes Jahr in Weiswampach.

  3. Hallo ihr zwei!
    Danke für den tollen Beitrag! Hat mich gefreut, dass wir uns getroffen haben – leider viel zu kurz! Ich war aber auch etwas „überfordert“ mit den vielen Menschen – Netzwerken ist auch nicht gerade meine Stärke, ich brauche immer ein bisschen länger um „warm“ zu werden. ;-)

    Ich hoffe wir sehen uns irgendwo mal wieder, dann mit mehr Zeit und weniger Trubel. Ich verkrümel mich jetzt erst mal nach Griechenland… ;-)

    Liebe Grüße!
    Mandy

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